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"Da draußen ist einfach nicht mehr genug Öl",
sagt der renommierte Geologe Les Magoon von der US-Bundesbehörde
Geological Survey. Er befürchtet, wie andere Ölexperten
auch, dass schon im Jahr 2003 die Nachfrage nach dem schwarzen Gold
größer sein wird als das Angebot. "Die Tage des
billigen Öls sind gezählt" schrieb die "FAZ"
am 1. September.
Wie lange reichen die Ressourcen? "Im Wesentlichen ist
alles gefunden", analysiert der Energieexperte Jörg Schindler
von der Ludwig-Bölkow-Stiftung, der dazu für die Enquete-Kommission
des Bundestags ein Gutachten verfasst hat. Die Öl- und
Gas Reserven der USA auf heimischem Boden sind schon in wenigen
Jahren erschöpft. Die ölabhängigste und am meisten
energieverschwendende Gesellschaft braucht die großen Energiereserven
im Nahen und Mittleren Osten als letzte Tankstelle - notfalls werden
Kriege geführt. Der Golfkrieg II. vor 11 Jahren war ein Krieg
um Öl. Der jetzige Afghanistan-Krieg ist auch ein Krieg um
Öl und Gas in Kasachstan, Kirgisien und Aserbaidschan - um
Pipelines durch Afghanistan und Pakistan wurde schon mit der Taliban-Regierung
verhandelt. Und der drohende Irak-Krieg wird ebenfalls ein Krieg
um Öl sein.
Die Prognosen des Weltenergierats sind eindeutig: Das Öl reicht
noch etwa 40 Jahre, das Gas 46 Jahre, Uran 60 Jahre und Kohle etwa
120 Jahre. Was aber dann? Auf dem Johannesburg-Gipfel haben die
USA erneut klargemacht, dass Energiesparen und Erneuerbare Energien
für sie keine Alternativen zur heutigen fossil-atomaren Energieversorgung
sind. Und die übrigen Industriestaaten wollen ihre Verbräuche
nur bescheiden reduzieren. Weltweit aber steigt der Energieverbrauch.
Wir benehmen uns wie Pyromanen. Wir verbrennen heute an einem Tag,
was die Natur in 500.000 Tagen an Kohle, Gas und Öl angesammelt
hat. Neben den Treibhauseffekt zeigt das bedrohlich nahende Ende
der Ressourcen, in welche kriegerischen Katastrophen wir wie blind
hineinstolpern, wenn nicht rasch im großen Stil Energie effizienter
genutzt und auf Erneuerbare Energien umgestiegen wird. Auch China,
Indien, Russland oder Länder wie Pakistan sind an den letzten
Öl- und Gasreserven interessiert. Und sie alle haben Atombomben.
Schon heute kommen 90 Prozent des geförderten Öls aus
Quellen, die vor über 20 Jahren gefunden wurden. Es werden
zwar immer noch Öl- und Gas Reserven entdeckt, aber nur noch
bescheiden kleine.
Die Welt-Energiekrise ist vorprogrammiert - mit und ohne Irak-Krieg.
Mit dem Irak-Krieg kommt sie freilich schneller. Denn dieser
wird wahrscheinlich zu einer Talibanisierung der Politik in Saudiarabien
führen und somit zu einem Anstieg des Ölpreises. Osama
Bin Laden käme so mit Hilfe von George W. Bush seinem Ziel
näher, den gesamten Nahen Osten zu destabilisieren und in Saudiarabien
oder einem anderen Ölland ein fundamentalistisches Regime zu
errichten. Sein Terrornetz verfügt heute über mehr Geld
und Personal als vor einem Jahr. Das ist auch ein Ergebnis der Politik
von George W. Bush und seiner Verbündeten ein Jahr nach dem
11. September.
Der Terrorismus, der bekämpft werden sollte, ist heute wahrscheinlich
gestärkt, aber die Öl- und Gaszufuhr aus Mittelasien scheint
gesichert. Doch Öl und Gas werden immer teurer. 1970 hatte
ein Barrel Öl noch stark zwei Dollar gekostet, heute über
27 Dollar. Die jetzt spürbare Knappheit wird den Preis in den
nächsten Jahren nach oben treiben.
Je teurer aber das Öl, desto weniger Wirtschaftswachstum.
1970 betrug das Wirtschaftswachstum bei niedrigem Ölpreis in
den G7-Staaten vier Prozent, heute bei teurem Öl noch ein halbes
Prozent. Und Null-Wachstum bedeutet Massenarbeitslosigkeit. Wirtschaftskrise,
Energiekrise, der Klimawandel und die Massenarbeitslosigkeit: Gibt
es keinen Ausweg aus dem Teufelskreis?
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