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Im Rahmen des Jahrestreffens der bayerischen Initiativen
habe Dr. Ramsauer deutlich gemacht, dass ihm die erneuerbaren
Energien am Herzen liegen und auch den Ministerpräsidenten
Edmund Stoiber zitiert, der sich bei der Koalitionsklausur
in Genshagen ebenfalls deutlich für die Erneuerbaren
ausgesprochen habe ("so schnell und so viel wie möglich
ausbauen"). "Wir sehen jedoch mit Sorge, dass die
politische Räson und die von Ihnen angesprochene 'Kraft
des Faktischen' dazu führen könnten, unnötige
'Kröten zu schlucken'", heißt es in dem offenen
Brief, den wir als "Solarserver-Standpunkt" komplett
veröffentlichen.
Jahrestreffen der Bayerischen Solarinitiativen
am 28.01.2006
in Bamberg; Unsere Anliegen und Forderungen
Sehr geehrter Herr Dr. Ramsauer,
für Ihren Vortrag und die offenen Worte im Rahmen
des Jahrestreffens danken wir Ihnen. Es wurde deutlich, dass
Ihnen die Erneuerbaren Energien (EE) am Herzen liegen. Besonders
erfreulich war Ihre Aussage, dass sich Ministerpräsident
Edmund Stoiber bei der Koalitionsklausur in Genshagen so deutlich
für die Erneuerbaren ("so schnell und so viel wie
möglich ausbauen") ausgesprochen hat.
Wir sehen jedoch mit Sorge, dass die politische Räson
und die von Ihnen angesprochene "Kraft des Faktischen"
dazu führen könnten, unnötige "Kröten
zu schlucken".
Wir fragen deshalb: Stimmen Sie dem Ziel einer mittelfristigen
Energiewende zu ?
Eine solche Energiewende beinhaltet aus unserer Sicht zwei
wesentliche Elemente:
- Eine ernsthaft gewollte und effektive Senkung des Energiebedarfs
- Die gleichzeitige Umstellung des Restbedarfs auf 100
% Erneuerbare Energien
Die Erneuerbaren Energien (EE) sind aus 4 Gründen stark
im Kommen:
- Wegen den von Ihnen beschriebenen "Herausforderungen".
- Weil es mehr als genug EE gibt (auch bei uns!).
- Weil die EE rasche technologische und wirtschaftliche
Fortschritte machen.
- Weil die Bürger in Deutschland und ganz besonders
in Bayern die EE wollen.
Unsere wichtigsten Forderungen an die Politik lauten deshalb:
- Keine Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke!
- Keine Mineralölsteuer auf reine Biotreibstoffe!
- Marktanreizprogramm (MAP) sofort wieder in Kraft setzen
und aufstocken!
- Windkraft im Binnenland nicht gegen den Willen der Bürger
sabotieren!
- Beteiligung der Solarinitiativen am geplanten Energiegipfel!
Kurze Erläuterungen unserer Forderungen:
1. Keine Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke!
- Eine Laufzeitverlängerung ist nachweisbar für
die Energieversorgung nicht erforderlich.
- Eine Laufzeitverlängerung und ein Neubau großer
fossiler Kraftwerke würden eine zügige Energiewende
konterkarieren. Sind die o.g. Bekenntnisse des Bayerischen
Ministerpräsidenten zum Ausbau der EE also ernst gemeint
oder "Sonntagsreden" ?
- Eine Laufzeitverlängerung würde den herrschenden
unfairen Wettbewerb verlängern: völlig unzureichende
Haftpflichtversicherung, enorme steuerfreie Rückstellungen,
Atommüll-Entsorgung durch den Staat, d.h. die Allgemeinheit.
Wir fordern deshalb: Kein Ausstieg aus dem Atomausstieg!
2. Keine Mineralölsteuer auf reine Biotreibstoffe!
- Derzeit herrscht noch Aufbruchstimmung in der heimischen
Landwirtschaft.
- Schon getätigte Investitionen im Vertrauen auf die
Steuerbefreiung bis 2009 (Ölmühlen, Tankstellen,
Umrüstbetriebe und Fahrzeuge) wären mit einer
vorzeitigen Einführung der Mineralölsteuer gefährdet
und weitere Investitionen würden künftig unterbleiben.
- Beimischungszwang ist kein Ersatz für eine Steuerbefreiung
reiner Biotreibstoffe, da
· die Wertschöpfung dann wieder hauptsächlich
der Industrie zukommen würde und
· Landwirte nur zu Lieferanten billiger Rohstoffe
degradiert werden würden.
- Steuer auf Pflanzenöl - Steuerfreiheit für Erdgas?
Das konterkariert den Klimaschutz!Höhere Steuer auf
Pflanzenöl - geringere auf Biodiesel? Das würde
die Ineffizienz von Biodiesel belohnen und die Güte
und Kostenvorzüge von Pflanzenöl bestrafen! Außerdem:
Der fossile Anteil in Bio- und Mischtreibstoffen gehört
selbstverständlich besteuert!
Wir fordern: Keine Mineralölsteuer auf reines Pflanzenöl,
Bioethanol und Biogas!
3. Marktanreizprogramm (MAP) sofort wieder in Kraft setzen
und aufstocken!
- Seit Herbst 2005 herrscht Stillstand (wegen großer
Nachfrage der Bürger), der evt. bis Sommer 2006 (wegen
Verzögerungen bei der Haushaltsaufstellung) dauern
wird.
- Der Nachfrage-Einbruch bei Solaranlagen und Holz(pellet)heizungen
gefährdet eine hohe Anzahl an Arbeitsplätzen bei
Herstellern und Handwerkern.
- Durch das MAP ausgelöste Investitionen bringen mehr
Steuer-Einnahmen und ersparte Sozialausgaben als die MAP-Förderung
ausmacht: 1 € Förderung löst 7-10 €
Umsatz aus!
- Zur Erinnerung: das MAP ist eine Kompensation für
"Ökosteuer auf Ökostrom". Wegen gestiegenem
Ökostrom-Anteil sind die Steuereinnahmen inzwischen
drei Mal so hoch wie die bisher gewährten MAP-Mittel.
Es gibt also keinen Grund, die MAP-Mittel nicht aufzustocken!
Wir fordern: Sofortige Freigabe und Aufstockung
des MAP!
4. Windkraft im Binnenland nicht gegen den Willen der
Bürger sabotieren!
- Repowering und Offshore-Windkraft sind richtig und wichtig
- Anti-Windkraft-Politik im Binnenland ist falsch!
- Es gibt viele geeignete und umweltverträgliche Standorte
im Binnenland.
- Windkraft ist ein wichtiger Faktor einer dezentralen
Energieversorgung, der zu Versorgungssicherheit und Wirtschaftlichkeit
des Stroms wesentlich beiträgt. Häufig ist Windkraft-Strom
heute schon billiger als der EEX-Börsenstrom!
- Windkraft schafft Einkommen und Steuereinnahmen im ländlichen
Raum.
- Die Politik verschlechtert derzeit absichtlich die Rahmenbedingungen
(Steuergesetze, Raumplanung, Bauplanungsrecht) und schürt
Anti-Windkraft-Stimmung.
- Wo die Bürger mit Windkraft einverstanden sind,
sollte die Politik sich heraushalten!
Wir fordern: Vorfahrt für "Bürgerwind"!
Deregulierung anstatt staatlicher Verhinderungsplanung (Regionalpläne).
5. Beteiligung der Solarinitiativen am Energiegipfel!
- Energie betrifft alle Teile der Gesellschaft, nicht nur
die Großkonzerne wie Strom-Multis, Erdgas-, Mineralöl-
und Kohlewirtschaft sowie die Groß-Industrie, sondern
auch die kleinen und mittleren Unternehmen sowie die Bürger
als Energieverbraucher und die Solar-Initiativen, die die
zukunftsfähigen Neuen Energien voranbringen.
Wir fordern: Auch die Bürger und die Solar-Initiativen
sollen vertreten sein!
Im Namen von mehr als 100 Bayerischen Solarinitiativen
bitten wir um Ihre tatkräftige Unterstützung bei
der Umsetzung unserer gemeinsamen Ziele und der genannten
Forderungen sowohl in den Gremien des Bundes als auch in denen
des Freistaates Bayern.
In diesem Sinne freuen wir uns auf eine gute Zusammenarbeit
und wünschen Ihnen viel Erfolg in Ihrem neuen politischen
Amt!
Mit freundlichen Grüßen
Prof. Dr. Ernst Schrimpff MdB
Hans-Josef Fell
Raimund Becher
Peter Rubeck
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