"Es hat einen Paradigmenwechsel in der 'Energiewelt'
gegeben, wonach die Ölproduzenten nicht länger
geneigt sind, ihre Ressourcen mit großer Geschwindigkeit
auszubeuten, nur um die zunehmend missbräuchliche Verwendung
eines kostbaren und endlichen Rohstoffes zu unterstützen.
Diese Wahrnehmung setzt sich innerhalb und außerhalb
der OPEC-Länder durch, muss aber von den wesentlichen
Energieverbraucherländern noch verinnerlicht werden",
so der ehemalige Leiter der Exploration & Förderung
bei Saudi Aramco, Sadad Al-Husseini, zu ASPO-USA im Juni
2007.
Die Gefahr einer Inflation steigt
Seine Voraussagen scheinen sich zu bestätigen. Eine
Krise der Finanzmärkte und hohe Ölpreise schaden
inzwischen der Konjunktur im Euroraum. Gleichzeitig keimen
Inflationsängste auf. "Ja, dieses Risiko existiert",
sagte kürzlich Jean-Claude Juncker, Vorsitzender Finanzminister
des Euro-Gebiets und luxemburgischer Premierminister, mit
Blick auf die Teuerung. Man müsse dabei aber zwischen
zeitweiligen und dauerhaften Elementen unterscheiden. Das
Wachstum leide dabei stärker als bisher bekannt. Die
EU-Kommission stimme mit der neuen Einschätzung des
Internationalen Währungsfonds (IWF) überein, wonach
das Wachstum im kommenden Jahr bei knapp unter zwei Prozent
liegen werde, bestätigte EU-Währungskommissar Joaquín
Almunia in Brüssel nach Beratungen der Finanzminister
des Eurogebiets.
Eine Rezession ist nicht mehr unwahrscheinlich
Die rosigen Zeiten sind nach jahrelangem Aufschwung fürs
Erste wohl vorbei. Mit fast 50 Prozent beziffert die Deutsche
Bank die Wahrscheinlichkeit einer "Mini-Rezession" in
diesem Jahr. Die Chancen für eine Rezession, ähnlich
derer Anfang der 70er- und 80er-Jahre, stehen nach ihrer
Einschätzung immerhin eins zu drei. |
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Energiepreise belasten die Wirtschaft, fossile
Energieträger heizen das Klima auf. Erneuerbare Energien
liefern sauberen Strom und schaffen Arbeit.
Fotos: BMU / H.-G.
Oed (links) und BMU / Edelhoff |
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Grund sind unter anderem die höheren Lebenshaltungskosten
- vor allem für Heizöl, Kraftstoffe und Nahrungsmittel.
Wie das Statistische Bundesamt berichtet, lag die Inflationsrate
nach ersten Berechnungen aus sechs Bundesländern im
November 2007 bei drei Prozent. "Dies ist die höchste
Teuerungsrate seit Februar 1994", erklärten die
Statistiker. Im Vergleich zum Vormonat ergebe sich ein Plus
von 0,4 Prozent. Zuletzt hatte die Teuerung im Februar 1994
die 3-Prozent-Marke erreicht.
Die Dynamik der Entwicklung überraschte sogar Experten. "Wir
hatten eine Beschleunigung des Preisanstiegs für November
erwartet, aber nicht ganz so stark", meinte Roland Döhrn
vom Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung
(RWI) in einer ersten Reaktion. Die bisher für 2008
prognostizierte Teuerungsrate von rund zwei Prozent sei angesichts
der jüngsten Entwicklungen zwar "noch im Bereich
des Möglichen, aber weniger wahrscheinlich geworden".
Realistischer sei wohl die Annahme einer "etwas höheren
Preissteigerung".
Preisexplosionen bei Energie und Lebensmitteln
In den vergangenen sieben Jahren ist der Preis für
Haushaltsstrom um 48 Prozent in die Höhe geschossen,
für viele Industriekunden hat er sich sogar verdoppelt.
Nochmals tiefer in die Tasche greifen mussten Verbraucher
auch beim Tanken und Heizen. Heizöl verteuerte sich
im Bundesgebiet im Vergleich zu November 2006 um durchschnittlich
mehr als ein Viertel.
Auch an der Zapfsäule klettern die Preise seit Jahren
unaufhörlich. So erreichte ein Liter Diesel im November
2007 den neuen Rekordpreis von 135 Cent. Wäre da nicht
der starke Euro, läge der Preis noch um ein Vielfaches
höher. Auch die Preise für Nahrungsmittel zogen
um bis zu sieben Prozent an und rissen erneut Löcher
in die Haushaltskassen.
Klimawandel und Nachfrage nach höherwertigen Lebensmitteln
verschärfen die Situation
Verantwortlich für die steigenden Lebensmittelpreise
sind in erster Linie die veränderte Nachfrage aus Schwellenländern
wie China und Indien sowie der Klimawandel, wie das Nahrungsmittelpolitik-Forschungsinstitut
IFPRI berichtete. Institutsdirektor Joachim von Braun sagte
vor Journalisten in Peking, die Zeit fallender Nahrungsmittelpreise
könnte nach mehreren Jahrzehnten vorbei sein. Die Agrarproduktion
sei heute anfälliger für Klimaänderungen.
Daher würden Hunger und Unterernährung in armen
Ländern wie in Afrika wahrscheinlich weiter zunehmen.
Diese seien durch die Erderwärmung vermehrt von Importen
abhängig. Wegen der Erderwärmung könnte die
Agrarproduktion bis zum Jahr 2020 weltweit um 16 Prozent
sinken und zum Beispiel Weizen aus Afrika fast verschwinden.
Auch der Nachfrageboom nach höherwertigen Lebensmitteln
in den Schwellenländern wird nicht so bald abebben. "Die
Menschen dort wollen Weizen statt Reis, Rind statt Schwein",
sagt der argentinische Ökonom Roberto Alemann. Seine
Prognose: "Die Preise für Agrargüter werden
sich auf einem höheren Niveau einpendeln". Dieses
Jahr werden sie um durchschnittlich 31 Prozent steigen, schätzen
die Experten der Investmentbank Goldman Sachs. Die Notierungen
für Weizen (plus 56 Prozent) sowie Soja und Mais (jeweils
plus 40 Prozent) führen dabei die Hitliste der Teuerung
an.
Der aktive Klimaschützer sollte also auch der Wahl
seiner Nahrungsmittel mehr Beachtung schenken, bewusster
und im Einzelfall weniger essen, vor allem aber auch wieder
mehr auf heimische, regionale Qualitätsprodukte setzen.
Raps und Mais lieber im Tank als im Topf
Ein weiteres Phänomen treibt die Lebensmittelpreise
nach oben: Aufgrund des hohen Ölpreises verkaufen die
Bauern rund um den Globus Raps und Mais lieber an die Hersteller
von Biotreibstoffen als an die Lebensmittelindustrie, weil
sie dabei höhere Gewinne kassieren. Die Folgen bekamen
die Mexikaner schon im Sommer zu spüren: Weil sie das
Maismehl für ihre Tortillas nicht selbst herstellen
können, sind sie auf Importe aus den USA angewiesen.
Dort verkaufen aber inzwischen immer mehr Farmer ihren Mais
an die Ethanolfabriken. Die Folge: Zwischen Juli 2006 und
April 2007 sprangen die Weltmarktpreise für Mais um
58 Prozent nach oben. Entsprechend stieg der Preis für
Tortillas, die in Mexiko zur Grundnahrung gehören, und
damit auch die Inflation. Neben den Armen protestierten sogar
die Hausfrauen aus der Mittelschicht lautstark gegen diese
immense Teuerungswelle.
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Blühende Rapsfelder in Mecklenburg-Vorpommern.
Rohstoffe für die Nahrungsmittelproduktion und zugleich
erneuerbare Ressource für ein nachhaltige Energieversorgung.
Foto: BMU / Brigitte Hiss
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Dürren in Folge des Klimawandels treiben die Getreidepreise
in die Höhe
Auch der Klimawandel wird zu einem Treibsatz für die
globale Inflation. Australien, nach den USA zweitgrößter
Weizenexporteur der Welt, leidet schon seit mehr als fünf
Jahren unter einer Jahrhundertdürre. Gerade erst hat
das staatliche Amt für Landwirtschaft und Ressourcen
seine Prognose für die kommende Getreideernte um ein
Drittel auf 25 Millionen Tonnen gesenkt. Das schrumpfende
Angebot dürfte den globalen Weizenpreis nach Ansicht
von Analysten auf bis zu zehn US-Dollar je Bushel treiben.
Schon jetzt handeln Broker an den Warenbörsen Weizen
zu mehr als acht Dollar je Bushel - das ist fast doppelt
so viel wie vor einem Jahr.
Öl wird knapp durch wachsende Nachfrage und Stagnation
der Förderung
Der Hauptgrund für die Preissteigerungen und damit
verbundenen Inflationsängste dürfte aber die beständig
wachsende Nachfrage der Schwellenländer nach dem "schwarzen
Gold" sein, während die globale Ölförderung
bereits seit Anfang 2005 bei rund 85 Millionen Fass pro Tag
stagniert. Da die Ölförderung in der Nordsee und
im Golf von Mexiko sinkt und die Erschließung neuer Ölfelder
große technische Schwierigkeiten bereitet, wird sich Öl
in den nächsten Jahren weiter verknappen. "Selbst
unter günstigen Umständen wird die Nachfrage im
gesamten nächsten Jahr über den weltweiten Fördermöglichkeiten
liegen", prophezeit Jochen Hitzfeld, Energieexperte
von UniCredit. "Selbst ein Preis von über 100 Dollar
kann bei unvorhergesehenen Störungen auf der Angebotsseite
nicht ausgeschlossen werden."
Weil der Preis für Erdgas mit etwa sechsmonatiger Verzögerung
dem Ölpreis folgt, ist auch bei Gas mit weiter steigenden
Preisen zu rechnen. Auch Putins Coup, nicht nur russisches,
sondern sämtliches Erdgas der ehemaligen Sowjetunion
zu vermarkten, könnten wir mangels Konkurrenz bald negativ
im Geldbeutel zu spüren bekommen.
Strompreissteigerungen gefährden weiteres Wirtschaftswachstum
Die Strompreise kennen seit der Liberalisierung nur eine
Richtung: nach oben. So haben sich beispielsweise die Elektrizitätskosten
für mittelständische Unternehmen seit dem Jahr
2000 fast verdoppelt (siehe dazu auch den Artikel "McKinsey
wird Energiesparer" aus der letzten Ausgabe der "Sonnenenergie").
Für den Preisschub ist neben den gestiegenen staatlichen
Abgaben und den anziehenden Kosten für fossile Brennstoffe
auch der Mangel an Wettbewerb in der Strombranche verantwortlich. |
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| Energiesparen mit Steckdosenleisten
zum Abschalten von Stand-by-Geräten: Energieeffizienz
für private Haushalte. |
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Die großen Energieversorger haben den deutschen Markt
in vier Zonen unter sich aufgeteilt und kommen sich nicht ins
Gehege. Hohe Durchleitungsgebühren, die sie von ihren
Konkurrenten verlangen, sowie ihre Weigerung, durch bestimmte
Gebiete Strom von günstigeren Anbietern durchzulassen,
halten den Wettbewerbsdruck gering und die Preise hoch. "Ein
Vergleich der Kosten und Preise mit liberalisierten Märkten
zeigt, dass die Strompreise in Deutschland viel zu hoch sind",
betont Uwe Leprich, Energieexperte an der Hochschule für
Technik und Wirtschaft in Saarbrücken.
Die Politik handelt: Sonderfonds "Energieeffizienz" bietet
Zuschüsse für Energieberatungen in KMU
Anfang 2008 starten das Bundesministerium für Wirtschaft
und Technologie und die KfW-Förderbank den "Sonderfonds
Energieeffizienz in KMU". Mit dem Programm wird die
Steigerung der Energieeffizienz von kleinen und mittleren
Unternehmen gefördert. Die Umsetzung von Energieeinsparmaßnahmen
kann mit zinsgünstigen Krediten aus dem ERP-Energieeffizienzprogramm
finanziert werden. Gefördert werden Energieberatungen
sowie Maßnahmen, die eine Energieeinsparung von mindestens
15 beziehungsweise 20 Prozent erzielen. Mitfinanziert werden
bis zu 100 Prozent der förderfähigen Investitionskosten,
maximal mit zehn Millionen Euro. Über die vom Staat
geförderte industrielle Energieberatung informieren
die nächsten Ausgaben der "Sonnenergie".
Energieeffizienz und Energiesparen für zukünftige
Wettbewerbsfähigkeit entscheidend
Sinnvolle, nachhaltige Energiegewinnung und das Einsparen
von Energie werden in Zukunft darüber entscheiden, ob
Unternehmen ihre Umsatzrendite erhöhen können oder
ihre Gewinne wegen steigender Energiekosten dahinschmelzen.
Energieeffizienz und Energiesparen werden somit wohl bald
genauso zum Wortschatz eines Betriebswirts gehören wie
Umsatzrendite oder "return on investment". |
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| Private Solarwärmeanlagen (links) und Solarstrom vom
eigenen Dach schützen vor hohen Energiepreisen und senken
CO2-Emissionen. Bildquellen: Solar Consulting (links); Frederik
Arnold. |
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Aber nicht nur in der Industrie, sondern gerade auch im Privathaushalt
wird es immer wichtiger, sparsam mit Energie zu wirtschaften,
wollen wir unseren Lebensstandard nicht drastisch herunterschrauben.
Das ist auch eine Überlebensfrage, denn mit dem damit
verbundenen Konsum sichern wir letztendlich unser Wirtschaftswachstum
und so auch unsere Arbeitsplätze.
DGS bietet kostenlose Abschätzung des persönlichen
Stromeinsparpotenzials an
Die Privathaushalte machen inzwischen ein Viertel des gesamten
Energieverbrauchs in unserem Land aus - das ist mehr als
alle Industriebetriebe zusammen. Der heute größte
Anteil an eingespeistem Strom wird noch immer aus nicht erneuerbaren
Energieträgern wie Kohle, Öl und Gas gewonnen.
Doch der Anteil der erneuerbaren Energien (Wind, Wasser,
Sonne und Biomasse) steigt stetig. Die DGS will helfen, Strom
ohne Komfortverlust einzusparen und effizienter zu nutzen.
Die Verbraucher haben dadurch deutlich mehr Geld für
sinnvollere Ausgaben zur Verfügung - und tragen auch
noch aktiv zum Klimaschutz bei.
Neben den bekannten Anregungen und Abschätzungen zur
Energieeinsparung unter www.dgs.de/altbausanierung bietet
die DGS daher einen kostenlosen Schnell-Check des persönlichen
Stromeinsparpotenzials an unter www.dgs.de/stromsparen. Diese
innovative Methode wurde von der ALCION GmbH (www.alcion.de)
entwickelt und zur Verfügung gestellt.
Deutsche Förderung von erneuerbaren Energien und Energieeffizienz
als globales Vorbild
Geiz ist kein Schimpfwort mehr, zumindest wenn es um Energiesparen
geht. Es wird in Zukunft nicht nur für Unternehmen immer
interessanter werden, Energie intelligent zu erzeugen und
effizient zu nutzen, sondern auch für den Privathaushalt.
Letztendlich können nur so unser Wirtschaftswachstum
und unser Lebensstandard garantiert werden, soll nicht ein
großer Teil der Einnahmen für Energie ausgeben
werden. Denn schon heute überweisen wir für Uran,
Kohle, Gas und Erdöl pro Jahr über 100 Milliarden
Euro ins Ausland. Deutschland könnte also mit seinen
Förderprogrammen zur sinnvollen Energiegewinnung und
Energieeinsparung weltweit zu einem Modell für nachhaltiges
Wachstum und Wohlstand werden.
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Weitere Solarserver-Standpunkte:
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