PV-Vorschaltgesetz musste Preisanstieg bewirken
Zugegeben, es klingt provozierend, ist aber völlig ernsthaft
gemeint: Wenn die Solarmodule in diesem Jahr nach Inkrafttreten
des Solarstromvorschaltgesetzes nicht teurer geworden wären,
dann wäre dies ein Beweis für die Wirkungslosigkeit des
Gesetzes gewesen; glücklicherweise sind jedoch im Jahr 2004
die Solarmodule wieder deutlich teurer geworden. Der Solarenergie-Förderverein
Deutschland hatte in den vergangenen Jahren mehrfach auf diesen
vorhersehbaren Effekt hingewiesen. Doch nun kommt Überraschung,
Ratlosigkeit und Unverständnis auf. Es sei ein Fehler gewesen,
die Einspeisevergütung so hoch anzusetzen, heißt es -
auf diese Weise gäbe es keinen Anreiz zur Verbilligung mehr,
die Hersteller würden sich eine goldene Nase verdienen und
die Photovoltaik würde nie von ihren hohen Preisen herunterkommen.
Zu einer Verbilligung käme es nur, sagen die Kritiker, wenn
eine knappe Einspeisevergütung alle Beteiligten zum sparsamen
Wirtschaften zwinge.
Investitionen in Kapazitätsausbau nur aufgrund
von Gewinnerwartungen
Diese Vorstellung beruht allerdings auf einer eingeengten Sichtweise,
die wir hier berichtigen möchten, damit es bei künftigen
Nachbesserungen des EEG zu keinen Fehlentscheidungen kommt. Wir
müssen uns dazu der Bedeutung des Preises als Steuerungsinstrument
der Wirtschaft bewusst werden. Der Preis ist ein wichtiges Signal
nicht nur für die Käufer einer Ware, sondern auch für
die bisherigen Hersteller und für potenzielle weitere Hersteller.
Aus Herstellersicht muss der Preis die Möglichkeit eines lohnenden
Gewinns bieten. Das ist nur möglich, wenn er deutlich über
den Herstellungskosten liegt. Der mögliche Gewinn ist seinerseits
das entscheidende Kriterium dafür, ob die Produktion ausgeweitet
wird. Nur wenn er Gewinne erwarten kann, investiert ein Unternehmer
in neue Produktionsanlagen, also in Fabriken zur Herstellung von
Solarsilizium, Solarzellen und Solarmodulen. Ein Markteinführungsprogramm,
welches die Produktion ausweiten will, muss deshalb bewusst für
Unternehmensgewinne sorgen. Für den Laien klingt dies zunächst
befremdlich. Er empfindet es eher als wirtschaftspolitische Panne,
wenn ein Markteinführungsprogramm zu Unternehmensgewinnen führt.
Doch da unser Wirtschaftssystem nicht durch staatliche Anweisungen
gesteuert ist (wir haben keine Planwirtschaft!) bleibt dem Staat
nur die Einflussnahme über finanzielle Anreize.
Angebot und Nachfrage
Vor diesem Wissenshintergrund betrachten wir nun die Ereignisse
auf dem Photovoltaikmarkt seit Mitte vergangenen Jahres. Wir beginnen
mit der Zeit, als das Solarstromvorschaltgesetz noch nicht in Kraft
getreten war. Die Nachfrage nach Solarmodulen war erheblich zurückgegangen.
Um überhaupt noch Solarmodule verkaufen zu können, mussten
die Hersteller ihre Preise so weit absenken, dass ihnen kein Gewinn
mehr blieb. Es gab deshalb kaum Anreiz zum Bau neuer Produktionsstätten.
Mit dem Bekanntwerden der vorgesehenen verbesserten neuen Vergütungssätze
entstand dann plötzlich die Aussicht auf zukünftige Gewinne.
Die Planungen für neue Produktionsanlagen liefen an.
Beim Inkrafttreten der neuen Vergütungssätze nahm die
Nachfrage erheblich zu. Sie konnte und kann zunächst nicht
befriedigt werden, weil die neuen Produktionsanlagen ja noch längst
nicht fertiggestellt sind. Nach dem Gesetz von Angebot und Nachfrage
stiegen deshalb nun die Preise erheblich an. Diese Situation erleben
wir heute noch. Und die steigenden Preise bieten die Möglichkeit
für Gewinne, die ihrerseits der Anreiz für den Bau neuer
Produktionsanlagen waren und sind und dies auch weiter sein sollen.
Erst in einem dritten Schritt und mit deutlicher Verzögerung
können dann bei der Ausweitung der Produktion Rationalisierungseffekte,
Skaleneffekte und neue Forschungsergebnisse zu einer Verringerung
der Herstellungskosten führen.
Preissenkungen durch Wettbewerb
Dass diese Kostenverringerungen auch ohne staatlichen Druck an
die Kunden weitergegeben werden, ergibt sich aus der Konkurrenz
der Hersteller untereinander. Deshalb keine Panik; der Wettbewerb
wirkt zuverlässig, die Solarmodule werden billiger werden,
wenn die Herstellungskosten es erlauben!
Menschen, die sich überlegen, ob Sie jetzt - unter dem Stress
von langen Lieferzeiten und steigenden Preisen - eine Anlage errichten
sollen, könnten also auch ruhig abwarten, bis sich die Situation
entspannt. Zwar sinken die Einspeisevergütungen für Neuanlagen
jeweils jährlich um 5 Prozent, aber die Solarmodulpreise werden
ebenfalls sinken - hoffentlich genauso schnell?!. Wer jetzt den
Bau seiner Solarstromanlage auf das nächste Jahr verschiebt,
leistet industriepolitisch gesehen einen Beitrag zur Verstetigung
der Nachfrage. Die Beständigkeit der Nachfrage ist als weiterer
Anreiz für den Ausbau der Produktionsanlagen von hoher Wichtigkeit.
Mit einem rasch aufflammenden und dann wieder bald verglimmenden
Nachfrage-Strohfeuer wäre der Solartechnik nicht gedient. Aus
dem bisher Gesagten sollte der Zielkonflikt zwischen wünschenswerter
Verbilligung und noch wünschenswerterer Produktionsausweitung
deutlicher geworden sein.
- Wem es nur auf die Verbilligung des Endverkaufspreises der
Module ankommt, der wird die Einspeisevergütung niedrig ansetzen,
muss sich aber dann mit einem stagnierenden oder gar schrumpfenden
Markt abfinden.
- Wem es auf eine wesentliche Ausweitung der Solarmodulproduktion
ankommt, der wird die Einspeisevergütung hoch ansetzen und
dafür sorgen, dass sie auf keinen Fall schneller absinkt
als die Herstellungskosten.
Rasche Produktionsausweitung hat Vorrang
Prinzipiell gilt das für alle Erneuerbaren Energietechniken.
Bei der Photovoltaik liegt allerdings eine besonders schwierige
Situation vor. Hier ist der Abstand zwischen dem bisher Erreichten
und dem noch zu Erreichenden ungewöhnlich groß. Derzeit
erzeugt Photovoltaik weniger als 2 Promille des deutschen Strombedarfs,
soll aber in nicht allzuferner Zukunft mehr als das Hundertfache
des jetzigen Anteils leisten. Die Produktion muss somit nicht nur
einmal, sondern auch auf längere Sicht fortwährend ausgeweitet
werden.
Wenn es nach den Forderungen des Solarenergie-Fördervereins
Deutschland gegangen wäre, hätte es deshalb sogar eine
noch höhere Einspeisevergütung gegeben, denn für
uns hat das Ziel einer raschen Produktionsausweitung unbedingten
Vorrang vor einer raschen Verbilligung. Unser Ziel ist die möglichst
rasche Umstellung auf Vollversorgung mit Erneuerbaren Energien.
Dafür nehmen wir lieber eine vorübergehende höhere
Belastung der Strompreise in Kauf, als dass wir durch den Eintritt
der Klimakatastrophe zu unendlich viel größeren Opfern
gezwungen werden.
Kontakt: Solarenergie-Förderverein Deutschland e.V. (SFV).
Herzogstraße 6; 52070 Aachen; Tel. (0241) 51 16 16. http://www.sfv.de
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