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In einem offenen Brief wendet sich Wolf von Fabeck, Geschäftsführer
des Solarenergie-Fördervereins (Aachen) an alle, die einer
vollständigen Energiewende skeptisch gegenüberstehen.
Foto: Wolf von Fabeck
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Ist vollständiger Ersatz der konventionellen
Energien durch die Erneuerbaren Energien möglich?
Sehr geehrter Zweifler an einer vollständigen
Energiewende,
Sie wissen ja, wir vom Solarenergie-Förderverein sind davon
überzeugt, dass ein vollständiger Ersatz der konventionellen
Energiequellen durch die erneuerbaren Energien aus Sonnenstrahlung,
Windkraft, Wasserkraft und Biomasse möglich ist. Doch Sie haben
Ihre begründeten Zweifel.
Die Mehrzahl der mit Energiefragen befassten Fachleute bestreitet
wie Sie, dass die erneuerbaren Energien das Potenzial hätten,
die Energiequellen Kohle, Öl, Erdgas und Uran zu ersetzen.
Auch ein großer Teil der Bevölkerung teilt Ihre Zweifel.
Zwar erfreuen sich die Erneuerbaren Energien der größten
Beliebtheit, aber ob sie einen VOLLSTÄNDIGEN ERSATZ bereitstellen
können, das mögen Viele nun doch nicht glauben.
Die Tatsache, dass unsere Überzeugung bisher nur von so Wenigen
geteilt wird, beweist allerdings nicht, dass sie falsch ist, es
kann auch daran liegen, dass der Gedanke für die Mehrheit noch
völlig neu ist und erst verarbeitet werden muss. Deshalb schreibe
ich Ihnen diesen Brief.
Meines Wissens ist die Idee von der Möglichkeit einer vollständigen
Energieversorgung aus Erneuerbaren Energien überhaupt erstmals
in den neunziger Jahren einem größeren Publikum öffentlich
mitgeteilt worden. Unser Solarenergie-Förderververein gehörte
zu den Ersten, die diese Möglichkeit publiziert haben. Mit
der Argumentationslage sind wir somit gut vertraut.
Ein neues Weltbild?
Es ist in der Geschichte ja schon öfter vorgekommen, dass
sich eine neue Erkenntnis gegenüber einer alten Überzeugung
durchsetzen musste. Paradebeispiel war die erbitterte Diskussion
der Frage, ob die Erde um die Sonne kreist. Die Schwierigkeiten,
die die ersten Anhänger der neuen Erkenntnis damals hatten,
sind ja bekannt. Bei der Energie-Frage ist es besonders schwierig,
zu einer objektiven Beurteilung zu kommen, denn hier geht es nicht
nur um eine akademische Frage, sondern auch um erhebliche Wirtschaftsinteressen.
Unterstellen wir einmal, wir, die Anhänger der "neuen
Lehre" hätten recht und es würde uns gelingen, die
Regierung zu überzeugen, so würde die wirtschaftspolitische
Unterstützung der konventionellen Energiebereitstellungstechniken
plötzlich fraglich sein. Es könnte geschehen, dass die
bisherigen Kohlesubventionen schneller als vorgesehen eingestellt
würden, es könnte geschehen, dass der Kernenergie die
großzügige Befreiung von der Haftpflichtversicherung
und die Befreiung ihrer Rückstellungen von der Zinsertragssteuer
zukünftig nicht mehr gewährt würde, und es könnte
geschehen, dass die erneuerbaren Energietechniken die Unterstützung
bekämen, die wir seit langem fordern. Immer noch unterstellt,
dass wir tatsächlich recht hätten, würde sich daraus
dann ein so gewaltiger Aufschwung der erneuerbaren Energietechniken
ergeben, dass die jüngsten Investitionen in konventionelle
Großkraftwerke sich als "stranded investments" erweisen
würden, wodurch wiederum die bisherigen Ratgeber und Fachleute
der konventionellen Energietechniken in aller Öffentlichkeit
bloßgestellt wären und sich den Zorn ihrer Aktionäre
zuziehen würden. Diese Überlegung wirft ein Licht auf
die Brisanz der Frage und warnt uns, dass bei manchen Fachleuten
eine gewisse Befangenheit in dieser Frage nicht ganz ausgeschlossen
werden kann.
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Literatur-Tipp: Sechs Gespräche über mentale
Hindernisse auf dem Weg zu einer "solaren Kultur"
Amery, Carl; Hermann Scheer: Klimawechsel: Von der
fossilen zur solaren Kultur. Ein Gespräch mit Christiane Grefe.
München: Kunstmann, 2001. - 160 S. 20,5 cm. - ISBN: 3-88897-266-3.
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Naturgesetz oder politische Meinung?
Die Formulierung einiger Fachleute, dass es - auch auf lange Sicht
- 'ausgeschlossen' sei, den Energiebedarf der Menschheit vollständig
durch Erneuerbare Energien zu decken, zeigt in der Tat eine hohe
emotionale Beteiligung. Eine Formulierung in dieser Striktheit und
Endgültigkeit ist unter wissenschaftlich argumentierenden Fachleuten
sonst eher ungewöhnlich; sie ist allenfalls für die Wiedergabe
eines Naturgesetzes zulässig. In einem naturwissenschaftlichen
Lexikon darf es heißen: "ES IST AUSGESCHLOSSEN ..."
z.B.: "Es ist ausgeschlossen, eine Maschine zu bauen, die mehr
Nutzenergie liefert, als ihr an Energie zugeführt wird (Perpetuum
Mobile 1. Art)".
Doch genau wie ein Naturgesetz ist die Aussage der genannten Fachleute
formuliert und es wird demzufolge in der Öffentlichkeit (vielleicht
auch von Ihnen?) wie ein Naturgesetz verstanden, dass es ausgeschlossen
sei, den Energiebedarf der Menschheit vollständig durch erneuerbare
Energien zu decken.
Aber ein Naturgesetz ist dies überhaupt nicht. Eine Solarzellenfläche
mit der Kantenlänge 150 km mal 150 km - auf Pontons in der
Nordsee oder auf Gestellen in der Wüste oder wo auch immer
unter dem freien Himmel zwischen Polarkreis und Äquator - würde
z.B. ausreichen, nicht nur den Strombedarf, sondern sogar den jetzigen
Gesamtenergiebedarf von ganz Deutschland zu decken. (Natürlich
sieht so nicht die Lösung aus, die wir vorschlagen; auf die
komme ich weiter unten.)
Die oben erwähnten Fachleute sagen zwar, die Energiewende
sei ausgeschlossen, bzw. unmöglich. Was Sie aber tatsächlich
meinen, ist eigentlich etwas anderes. Sie halten die technischen
Schwierigkeiten, die Kosten, die Probleme bei der politischen Durchsetzung
für so groß, dass sie nicht GLAUBEN, dass eine Energiewende
möglich sein wird. Ihre oben erwähnte Befangenheit und
der - vielleicht noch nicht einmal vor sich selbst eingestandene
- Wunsch, dass es nicht so rasch zu dieser Energiewende kommen möge,
damit sie nicht blamiert dastehen, lässt sie jedoch eine Formulierung
wählen, zu der sie bei strenger Wissenschaftlichkeit eigentlich
nicht berechtigt wären.
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Ist die Energiewende zu schaffen?
Wir überlegen immer wieder, wie wir Ihnen als Gegenargument
das Ergebnis einer umfangreichen Studie nahe bringen können,
die im Auftrag der Europäischen Kommission vor fünf Jahren
an verschiedenen Forschungseinrichtungen in Dänemark, Frankreich
und Deutschland gemeinsam erstellt wurde. Die Untersuchung mit dem
Titel "Long-Term Integration of Renewable Energies into the
European Energy System"kommt zu dem Schluss, dass Europa bis
zum Jahr 2050 Selbstversorger aus europaeigenen erneuerbaren Energien
werden kann. Ein Mix aus Sonne, Wind, Wasserkraft und Biomasse kann
nach dieser Studie und nach unserer Überzeugung viel effektiver
die benötigte Energie bereitstellen als die oben erwähnte
einseitige Solarzellenlösung.
Weiteres Ergebnis der Studie war, dass die Energiepreise pro Kilowattstunde
zum Ende des betrachteten Zeitraums zwar etwa doppelt so hoch wären,
dass aber andererseits der Energiebedarf ohne Komfortverzicht halbiert
werden könne (durch bessere Wärmedämmung, wirkungsvollere
Kühlschränke, Energiesparlampen, wirkungsvollere elektrische
Maschinen, das Zwei-Liter-Auto usw.), sodass im Endeffekt die Ausgaben
für Energie gleich bleiben würden. Wichtig ist auch zu
bemerken, dass in dieser Studie nur Techniken berücksichtigt
wurden, die schon jetzt in der Praxis Verwendung finden.
Das Ergebnis der Studie lässt sich leicht in diesen vier Sätzen
zusammenfassen, doch Sie möchten natürlich Begründungen
und Berechnungen hören. Diese lassen sich leider nicht auf
wenige Briefseiten verkürzen.
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Brauchen wir die Energiewende?
Ich glaube aber auch, dass es in einer Diskussion mit Ihnen, sehr
geehrter Zweifler, erst einmal darauf ankommt, dass wir uns über
die NOTWENDIGKEIT einer Energiewende verständigen. Dazu einige
Gedanken:
Niemand kann ausschließen, dass es wirklich zu der befürchteten
Klimakatastrophe kommt, lange bevor die fossilen Energieträger
erschöpft sein werden. Auch wenn Sie die Wahrscheinlichkeit
einer solchen Klimakatastrophe für recht gering halten, oder
die Folgen für erträglich, gibt es doch die anders lautenden
Aussagen vieler Fachleuten, z.B. Meteorologen und Biologen, die
so gravierende Folgen vorhersagen, dass die politische Verantwortung
gebietet, das "Experiment" einer kontinuierlich fortgesetzten
Treibhausgas-Emission möglichst rasch abzubrechen.
Außerdem müssen wir davon ausgehen, dass irgendwann
in gar nicht so ferner Zukunft - Klimakatastrophe hin oder her -
die Ausbeutung der fossilen Energieträger und des Urans den
wachsenden Energiebedarf der Menschheit ohnehin nicht mehr zu decken
vermag. Niemand behauptet, dass dann auf einen Schlag alle Erdölfelder
und Gasvorkommen erschöpft sein werden; das mag noch hundert
oder zweihundert Jahre dauern. Aber: Das Ende kommt lange vor dem
endgültigen Verbrauch aller Ressourcen! Das Ende beginnt bereits,
wenn die Förderung von Treibstoff nicht mehr so rasch gesteigert
werden kann, wie die steigende Nachfrage. Denken wir doch z.B. daran,
dass in China jetzt die individuelle Motorisierung, der Umstieg
vom Fahrrad auf das Auto, beginnt. Die Nachfrage nach Treibstoff
wird dadurch in bisher nie dagewesenem Tempo zunehmen. Wenn aber
die Förderung von Öl und Gas nicht mehr im gleichen Tempo
gesteigert werden kann wie die Nachfrage, werden nach dem Gesetz
von Angebot und Nachfrage rasante Preissteigerungen einsetzen, bei
denen die ärmeren Völker bald aufgeben müssen und
den reicheren Völkern die Geldmittel entzogen werden, die sie
eigentlich für den Umbau ihrer Energiewirtschaft benötigen.
Die zweite Phase des Endes setzt ein, wenn die Förderung von
Gas und Öl ihren Höhepunkt erreicht hat und danach zurückgeht.
Auch wenn immer wieder einmal neue Erdöl- oder sonstige Reserven
gefunden werden, kommt diese Phase ebenfalls, ist das Ende trotzdem
irgendwann erreicht. Wie beim Ostereier-Suchen, könnte man
scherzeshalber sagen, doch zum Scherzen ist hier kein Anlass gegeben,
denn das Ende der konventionellen Energiereserven könnte das
Ende der technischen Zivilisation bedeuten, wenn vorher keine Alternativen
bereitgestellt worden sind.
Ende oder Wende?
Wer von unseren Mitbürgern würde sich wohl mit dem Ende
der technischen Zivilisation abfinden und freiwillig zu mittelalterlichen
Produktionsverfahren, Wohnkomfort und Reisemöglichkeiten zurückkehren?
Nur wenige, nehme ich an. Es ist deshalb zu befürchten, dass
es zwischen den Industrienationen dieser Welt zu erbitterten Verteilungskämpfen
um die letzten Reserven kommen wird, die sogar mehr als das Überleben
der Zivilisation in Frage stellen können.
Es ist deshalb eine Frage vorausschauender Verantwortung, rechtzeitig
darüber nachzudenken, welchen Ersatz es dann geben soll. Mehr
noch: Weil es viele Jahrzehnte braucht, ein neues Energieversorgungssystem
aufzubauen, genügt es nicht, darüber nur nachzudenken,
genügt es nicht, auf dem Reißbrett und in den Forschungslabors
einige Prototypen zu planen und zu errichten. Die Entwicklung eines
weltumspannenden Energieversorgungssystems ist eine Jahrhundertaufgabe
und kann nur gelöst werden, wenn ständig zunehmende Nachfrage
zur Massenproduktion führt und so die Möglichkeit und
den Anreiz liefert, neue Forschungsergebnisse in der Praxis zu erproben.
Wenn erst einmal die Ölpreise wegen Verknappung in die Höhe
gehen und schließlich explodieren, wird das Geld und die Zeit
fehlen, den Wohnungsbestand der Bundesrepublik mit Wärmedämmung
zu versehen, wird es zu spät sein, alle 7-Liter-Autos gleichzeitig
zu verschrotten und 2-Liter-Autos in Serie zu geben. Dann wird es
insbesondere zu spät sein, all die bis dahin vielleicht erarbeiteten
Forschungsergebnisse aus den Aktenschränken zu holen, in der
Absicht, auf Millionen von Dächern Solarstromanlagen zu errichten.
Es muss deshalb planvoll schon jetzt mit dem Aufbau derjenigen
Techniken begonnen werden, die heute verfügbar sind. Wir beim
Solarenergie-Förderverein und bei vielen ähnlichen Nicht-Regierungs-Organisationen
sind hier schon seit 15 Jahren intensiv tätig.
Die Tatsache, dass die Stromwirtschaft seit Erfindung der Wasserstoffbombe
ihre einzige Hoffnung auf die Kernfusion setzt, (die übrigens
auch unter Rot/Grün ihre Forschungsgelder weiterhin erhält),
darf uns nicht dazu verleiten, die Hände in den Schoß
zu legen, denn noch ist nicht sicher, ob diese Technik funktionieren
wird, und falls sie funktioniert, ob sie noch rechtzeitig zur Serienreife
kommt, ob sie auch in Entwicklungsländern mit wenig ausgebildeten
Ingenieuren und Technikern anwendbar sein wird, und ob die von ihr
bereitgestellte Energie preiswert genug sein wird.
Die vor uns liegende Arbeit möchte ich vergleichen mit dem
Bau der Arche Noah. Ohne sichtbar drohende Regenwolken, d.h. ohne
unmittelbar fühlbaren wirtschaftlichen Druck müssen wir
beginnen. Bisher haben in Deutschland schon etwa 50.000 Menschen
unter finanziellen Opfern eine Solarstromanlage errichtet, obwohl
sie den Strom billiger aus dem öffentlichen Netz beziehen könnten.
Wir als Verein versuchen, durch eine Gesetzesänderung zu erreichen,
dass diese Menschen und zukünftige Solaranlagenbetreiber für
den von ihnen erzeugten Strom, den sie ins öffentliche Stromnetz
abgeben, wenigstens die Selbstkosten erstattet bekommen, doch hier
stoßen wir aus den eingangs erläuterten Gründen
auf den erbitterten Widerstand der Stromwirtschaft.
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Zweifel als politische Waffe
Die Stromwirtschaft benutzt die Zweifel am Potential der erneuerbaren
Energien als Waffe im Kampf um die politische Meinung. Auf Politiker,
die angesichts der anstehenden Probleme eine energische Entscheidung
zur Verbesserung des Erneuerbaren-Energien-Gesetzes treffen müssten,
wirken diese Zweifel lähmend. Ich kann mich noch gut an eines
der ersten Statements von Angela Merkel erinnern, nachdem sie Umweltministerin
geworden war. Sie verwendete wörtlich eine Werbeaussage - besser
gesagt eine Antiwerbung - der konventionellen Energiewirtschaft,
die damals in allen großen Zeitungen veröffentlicht wurde.
Dort hieß es: "Sonne, Wasser und Wind können auch
langfristig nicht mehr als 4% unseres Strombedarfs decken".
Die Anzeige erschien vor sechs Jahren und war unterschrieben von
den 6 größten Stromkonzernen der Bundesrepublik. Es war
nur eine von vielen. Die Folgen spüren wir noch heute: Unter
den Politikern - insbesondere des konservativen Lagers haben die
Erneuerbaren Energien nur wenige Freunde, obwohl doch gerade dort,
wegen des Anspruchs auf Bewahrung der Schöpfung Verständnis
und die Bereitschaft wenigstens zum Zuhören vorhanden sein
müsste. Das Vorurteil, dass inkompetente linke, grüne
Spinner und Weltverbesserer sich mit ungeeigneten Vorschlägen
in ein Thema einmischen, das nur von den Fachleuten der Energiewirtschaft
beherrscht wird, sitzt tief und lässt noch nicht einmal ein
sachliches Gespräch zu Stande kommen.
Dabei haben die Fachleute der Stromwirtschaft mit der Behauptung
von den LANGFRISTIG maximal möglichen 4% sich nachweislich
getäuscht. Schon jetzt, sechs Jahre nach Erscheinen der Anzeige
ist bereits das Doppelte des von ihnen für möglich gehaltenen
Wertes erreicht, deckt allein die Windenergie 3% des Strombedarfs,
und die Wasserkraft deckt 5%. Nach den weiteren Ausbauplänen
des Bundes-Umweltministeriums sollen die zukünftigen Off-Shore-Windparks
zusätzliche 15% bringen. Das Erste Raumordnungsverfahren für
eine Hochspannungsleitung vom Windpark Borkum Ost (etwa 50 km nördlich
von Borkum) zum Festland wurde vor wenigen Tagen abgeschlossen.
Doch Zweifel werden weiterhin verbreitet. Inzwischen heißt
es - nunmehr etwas vorsichtiger formuliert - die erneuerbaren Energien
würden nie einen "nennenswerten" Anteil erbringen.
Ist den Zweiflern, die solche Aussagen ungeprüft weitergeben,
eigentlich die Konsequenz bewusst? Angesichts einer immer deutlicher
sich abzeichnenden Menschheitsgefahr verbreiten sie Entmutigung
und lähmen die Bereitschaft eines Großteils der Bevölkerung
zur gemeinsamen Abwehr des Unheils.
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Das Gebot des Handelns
Ich möchte das Thema heute mit folgender Anmerkung vorläufig
abschließen: Wenn es aus einer lebensgefährlichen Situation
nur einen einzigen Ausweg gibt, dann stellt sich nicht mehr die
Frage, wie komfortabel dieser Ausweg ist, sondern dann gilt das
Gebot des gemeinsamen Handelns; darüber gibt es im Augenblick
der Gefahr keine Diskussion.
Das Problem in der Energiefrage liegt jedoch darin, dass die Gefahr
nicht wahrgenommen und insbesondere von den schon mehrfach zitierten
Fachleuten der Energiewirtschaft nicht thematisiert wird. Dabei
bereitet sich hinter den Kulissen ein energiewirtschaftliches Drama
ohnegleichen vor. Mit einiger Phantasie können wir den Gang
der weiteren Entwicklung durchaus schon vorhersehen, auch wenn wir
keine exakten Jahreszahlen nennen können. Über kurz oder
lang müssen wir die Nutzung der konventionellen Energien entweder
aus Klimaschutzgründen zwangsweise rationieren oder wegen Versiegens
der Ressourcen zurückfahren. Was wir bis dahin an alternativen
Energien bereitgestellt haben, wird dann alles sein, was uns als
Alternative zur Verfügung steht. Es liegt an uns, wie viel
das im Vergleich zur heutigen Energieversorgung sein wird (10%,
50%, 100%). Wenn erst einmal die Preise für die konventionellen
Energien in die Höhe gehen und schließlich explodieren,
wird ein Nachbessern kaum noch möglich sein. In einer Volkswirtschaft,
die bis dahin noch nicht vollständig umgestellt ist, muss dann
für die Versorgung mit den noch verbliebenen konventionellen
Energien und für technische Maßnahmen zur Reduzierung
des Energieverbrauchs von Monat zu Monat mehr Volksvermögen
aufgewendet werden. Dieses fehlt dann beim Aufbau einer alternativen
Energieversorgung.
Je mehr wir also durch heutige Zweifel den Aufbau der erneuerbaren
Energien bremsen, umso schwieriger wird später die Durchführung
der Energiewende sein. Dann gilt, wie so häufig im politischen
Leben, das schlimme Gesetz von der sich selbst erfüllenden
Prophezeiung.
Deshalb mit der freundlichen Bitte zur Überprüfung Ihrer
Zweifel
und mit freundlichen Grüßen
Wolf von Fabeck
Dipl.-Ing. und Geschäftsführer im Solarenergie-Förderverein
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