SEHR GEEHRTER HERR MINISTERPRÄSIDENT,
hiermit möchte ich Ihnen im Namen des Juso-Unterbezirks Marburg-Biedenkopf
und - über Parteigrenzen hinweg - im Namen der vielen ErstunterzeichnerInnen
1.500 Unterschriften gegen Ihre Pro-Atom-Politik und für den
konsequenten
Ausbau erneuerbarer Energien überreichen.
Ganz aktuell macht die Beinahe-Katastrophe im schwedischen Atomkraftwerk
Forsmark deutlich, wie unverantwortlich Ihre gesamte Energiepolitik
ist.
Nicht nur in Forsmark, sondern auch im hessischen Biblis ist die
Gefahr
einer Kernschmelze gegenwärtig.
Umso unverständlicher ist Ihre gebetsmühlenartig vorgetragene
Forderung nach
einer Laufzeitverlängerung für die beiden Schrottreaktoren
in Biblis ? und
geradezu zynisch Ihre Forderung nach einem Neubau von Atomkraftwerken.
20 Jahre nach der verheerenden Reaktorkatastrophe von Tschernobyl,
der
bereits rund 70.000 Menschen zum Opfer gefallen sind und Jahr für
Jahr
hunderte weitere Menschen zum Opfer fallen, kann es nur eine Antwort
auf die
Lösung der Energiefrage geben: der konsequente Ausbau erneuerbarer
Energien
und der endgültige Ausstieg aus der Atomenergie.
Doch Ihr Atomlobbyismus
ist der Versuch, diese Energiewende zu blockieren
zum Schaden des Wirtschafts- und Technologiestandorts Nord- und
Mittelhessen. Schon knapp 2.500 Arbeitsplätze sind zwischen
Marburg und
Kassel im Bereich dezentraler und erneuerbarer Energietechnologien
entstanden (zum Vergleich: 900 Arbeitsplätze in Biblis). Das
Kompetenznetzwerk dezentrale Energietechnologien e.V. (deENet)
zählt auch
die Erfolgsunternehmen Wagner Solartechnik in Cölbe und SMA
Technologie AG
in Niestetal bei Kassel zu ihren Mitgliedern. Dezentrale Energieerzeugun
schafft Arbeitsplätze vor Ort: in unseren Erfolgsunternehmen,
im Handwerk
und in der Landwirtschaft. Längere Laufzeiten oder sogar neue
Atomkraftwerke
würden diesen wichtigen Strukturwandel zu mehr Wertschöpfung
in der Region
zerstören. Schon heute arbeiten 170.000 Menschen in Deutschland
in
Technologieunternehmen für erneuerbare Energien - mit deutlich
ansteigender
Tendenz - und nur 35.000 in der Atombranche.
Wir könnten schon heute deutlich mehr als 170.000 Arbeitsplätze
im Bereich
erneuerbare Energietechnologien haben, wenn Ihre Landesregierung
dieser
Erfolgsgeschichte rot-grüner Politik nicht einen Stein nach
dem anderen in
den Weg legen würde. Ihre Verhinderungsplanung gegen die Windenergie
und die
weitgehend tatenlose Ankündigungspolitik im Bereich Biomasse
legen Zeugnis
davon ab.
Wir fordern Sie dazu auf, die Notbremse zu ziehen und einen Politikwechsel
einzuleiten. Wenn im Jahr 2008 Biblis A und im Jahr 2012 Biblis
B vom Netz
gehen, werden in Hessen bei den erneuerbaren Energietechnologien
ein
Vielfaches der 900 Arbeitsplätze von Biblis zusätzlich
entstanden sein. Und
über viele Jahre hinweg werden die Arbeitskräfte in Biblis
zum aufwendigen
Abbau der Reaktoren gebraucht. Jetzt ist die Chance für einen
gewinnbringenden Strukturwandel gegeben. Sie sollten diese Chance
für Hessen
jetzt ergreifen, bevor unser Land verstrahlt wird oder der Rohstoff
Uran
aufgebraucht ist.
+++ Wir fordern Sie nach der Beinahe-Katastrophe von Forsmark
dazu auf,
die Reaktorblöcke in Biblis durch die hessische Atomaufsicht
sofort abschalten zu lassen und eine umfassende Sicherheitsprüfung,
vor allem des alten Schrottreaktors Biblis A, anzuordnen. +++
Mit freundlichen Grüßen
Fabio Longo
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