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Sigmar Gabriel weckt große Hoffnungen. "Ich bin
ein Minister für Innovation", sagt der erste Umweltminister
in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland aus den Reihen
der Sozialdemokratie. Was seine Vorgänger erst im Laufe
ihrer Amtszeiten - zum Teil mehr schlecht als recht - verinnerlicht
haben, ist für Sigmar Gabriel von Beginn an Programm:
"Unser anspruchsvolles Ziel ist die Verknüpfung
von wirksamem Klima- und Umweltschutz mit erfolgreicher wirtschaftlicher
Entwicklung und sozialem Ausgleich", begrüßt
der neue Umweltminister die Besucher der Internetseite seines
Ministeriums. Und in der Wochenzeitung DIE ZEIT erklärt
er diesen Anspruch: "Die Umweltpolitik der Zukunft ist
Technologiepolitik, sie macht die Volkswirtschaft wettbewerbsfähiger
und sorgt für mehr Jobs."
Superminister für Wirtschaft, Arbeit, Soziales und
Technologie
Mit Sigmar Gabriel hat die Umweltpolitik die große
Chance, aus der Öko-Nische heraus zu kommen. Der Umweltminister
wird die Bundesminister für Wirtschaft und Technologie
sowie Arbeit und Soziales, Michael Glos (CSU) und Franz Müntefering
(SPD), zwar nicht arbeitslos machen. Aber wenn Gabriel bei
der Umsetzung seines Programms erfolgreich ist, wird er für
mehr Wirtschaftskraft, neue Arbeitsplätze und mehr soziale
Teilhabe sorgen. Hält er das Erneuerbare-Energien-Gesetz
(EEG) auf Kurs und schafft schon bald ein Erneuerbare-Wärme-Gesetz
(EWG) für einen Solarstandard bei Neubauten und in der
Altbausanierung, werden bis zum Ende der Wahlperiode eine
neue Gründerwelle und zehntausende neuer Arbeitsplätze
im Technologiebereich entstehen. Das Land wird dann auch sozialer
sein, weil die neuen Energiegesetze für mehr Teilhabe
der Menschen an der Energieversorgung und für mehr Unabhängigkeit
von den gestiegenen Öl- und Gaspreisen sorgen.
Rot-schwarzes Projekt?
Bei der Politik für erneuerbare Energien und für
den Atomausstieg ist so etwas wie ein rot-grünes Projekt
erkennbar gewesen. Folgt nun das rot-schwarze Projekt? Ganz
abwegig ist dieser Gedanke nicht. Der Vertrag der Großen
Koalition stärkt das EEG und macht ein neues EWG möglich.
Jetzt kommt es auf den Umweltminister und die SPD-Fraktion
an. Möglicherweise kommt sogar Unterstützung und
Initiative aus der Union. Immerhin sind es wegweisende Politiker
von SPD und Union gewesen, die den Boom der erneuerbaren Energien
ausgelöst haben: Dr. Hermann Scheer (SPD-MdB) und Matthias
Engelsberger (CSU-MdB).
Die Vorreiter: Scheer und Engelsberger
Der Abgeordnete Hermann Scheer hat schon das Stromeinspeisungsgesetz
(StrEG) mit auf den Weg gebracht und dann seit 1998 gegen
große Widerstände dafür gesorgt, dass mit
dem 100.000-Dächer-Solarstrom-Programm und dem EEG alle
erneuerbaren Energien vorankommen. Sein langjähriger
Kollege von der CSU, der Ende Oktober diesen Jahres verstorbene
Matthias Engelsberger, ist "Vater" des StrEG im
Jahr 1990. Mit diesem, von den Strommonopolisten bekämpften
Gesetz hat er die kleine Wasserkraft gerettet und den Windkraftboom
der 90er Jahre möglich gemacht. Anlässlich der Trauerfeier
für Engelsberger hat der neue CSU-Landesgruppenvorsitzende
Peter Ramsauer sein Engagement für erneuerbare Energien
besonders gewürdigt. Eigentlich wollte der neue Wirtschaftsminister
Michael Glos (CSU) die Trauerrede halten, war aber wegen der
Koalitionsverhandlungen verhindert.
Wirtschaftsminister Glos auch ein Innovationsminister?
Es ist nicht gesagt, dass ein Wirtschaftsminister immer gegen
erneuerbare Energien auftreten muss. Wirtschaftsminister können
auch neue zukunftsfähige Märkte fördern und
müssen sich nicht als Besitzstandswahrer des Kartells
der atomar-fossilen Energiewirtschaft aufspielen. Eigentlich
sollte man es von Wirtschaftsministern sogar erwarten, weil
wirtschaftliche Vernunft und Arbeitsplätze ohnehin für
die Erneuerbaren sprechen. Der für die allgemeine Energiepolitik
zuständige Michael Glos müsste allerdings die Konfliktbereitschaft
aufbringen, den großen Vier der Energiewirtschaft ihre
Grenzen aufzuzeigen. Die Kraft und den Mut dazu hätte
er - und auch das Wissen, das ihm sein Müller-Kollege
und Parteifreund Engelsberger nahe gebracht hat.
So könnte es geschehen, dass Umweltminister Sigmar Gabriel
(SPD) der Streiter für Solar- und Windenergie wird, Wirtschaftsminister
Michael Glos (CSU) Vorkämpfer für die kleine Wasserkraft
und Landwirtschaftsminister Horst Seehofer (CSU) der Biomasse
endgültig zum Durchbruch verhilft. Und alle gemeinsam
sich als Innovationsminister für erneuerbare Energien
erweisen. Damit diese Vision kein Traum bleibt, müssen
wir der Ministerriege wohl doch Beine machen. Erste Prüfsteine
sind das Erneuerbare-Wärme-Gesetz (EWG) und die Internationale
Agentur für Erneuerbare Energien (IRENA). Bleiben Initiativen
hierfür im nächsten halben Jahr Fehlanzeige, werden
wir noch nicht einmal einen Innovationsminister erleben -
geschweige denn einen Superminister.
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