| Utz Claassen, Vorstandsvorsitzender der EnBW hält das DESERTEC-Konzept
zum Solarstrom-Import aus Nord-Afrika offenbar für eine (billigere)
Alternative zu unseren heimischen erneuerbaren Energiequellen. Irm
Pontenagel, Geschäftsführerin von EUROSOLAR, sieht sich
in ihrem aktuellen Artikel im "Solarzeitalter" veranlasst,
unsere heimischen Energiequellen gegen Herrn Claassen zu verteidigen.
Für uns stellt sich nicht die Frage, ob man dezentralen europäischen
ODER international vernetzten sauberen Strom nutzen sollte. Aus
Sicht des Klimaschutzes und der Strompreise sollte man in jedem
Fall beide Potenziale nutzen (und man wird es auch):
- Besonders ergiebige erneuerbare Energiequellen (Offshore-Windkraft,
Wasserkraft) können in einem internationalen Stromverbund
optimal genutzt werden, um die Anteile der erneuerbaren Energien
im großen Maßstab auszubauen. Dazu können die
europäischen Energieversorgungsunternehmen (EVU) und Stromnetzbetreiber
nennenswerte Beiträge liefern, anstatt wie üblich nur
auf Kohle- und Atomstrom zu setzen. Eine Schlüsselrolle spielt
hier der zügige Aufbau eines verlustarmen europäischen,
von den EVU unabhängigen, Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragungsnetzes
(HGÜ), das vom WBGU und Bündnis90/Die Grünen auch
als "Supernetz" bezeichnet wird.
- Dezentrale erneuerbare
Energiequellen müssen ebenso
erschlossen (und vernetzt) werden, um den Anteil der erneuerbaren
Energien auszubauen und um den Endkundenstrompreis zu begrenzen,
sobald die Technologien ohne staatliche Unterstützung wettbewerbsfähig
sind und die etablierten EVU mit ihnen ernsthaft konkurrieren müssen.
- Solarthermische
Kraftwerke in Nord-Afrika liefern dank thermischer Speicher gleichmäßige und regelbare Strommengen
und sind damit die ideale Ergänzung zu unseren heimischen
Wind- und Photovoltaik-Ressourcen. Wie hoch der Anteil des durch
verlustarme Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung transportierten
Stroms in Europa sein wird, wird sich zeigen. Im Szenario der TRANS-CSP
Studie des Deutschen Zentrums für Luft und Raumfahrt (DLR)
sind es 15 Prozent bis 2050, während der heimische erneuerbare
Energieanteil am Stromverbrauch bis dahin bei etwa 65 Prozent liegt.
Der Standpunkt von TREC zur Versorgungssicherheit von Solarstrom-Importen,
findet sich auf dessen Internetauftritt.
Verzicht auf teure und ineffiziente Stromspeicher
für dezentrale
Anlagen möglich
Aus Sicht von TREC ergänzen sich dezentrale und international
vernetzte erneuerbare Energien ideal, insbesondere, da solarthermische
Kraftwerke mit ihren thermischen Speichern Strom nach Bedarf liefern
können; auch nachts und wenn kein Wind weht. Auf teure und
ineffiziente Stromspeicher für dezentrale Anlagen ist man
somit nicht mehr unbedingt angewiesen, was die dezentrale Stromerzeugung
finanziell noch attraktiver macht. So verlieren teure Batteriespeicher
etwa 20 %, neuere Wasserstoff- und Druckluftspeicher sogar mindestens
50 % der ursprünglich eingesetzten erneuerbaren Elektrizität
und erhöhen allein schon damit erheblich die Stromkosten.
Dazu verschlechtern Investitions- und Betriebskosten der jeweiligen
Speichertechnologie die Wettbewerbsfähigkeit noch weiter.
Aufgrund der notwendigen Regelkapazität wäre die einzige
Alternative zu Solarstrom-Importen der verstärkte Einsatz
von Erdgas und "sauberer" Kohle, selbst wenn die verfügbaren
heimischen Wasserkraft-, Geothermie- und Biomassepotenziale zur
Stromerzeugung, wie von TREC vorgeschlagen, ebenso weitgehend genutzt
würden.
Solar- und Windstrom für den ständig wachsenden Eigenbedarf
von MENA
Dass große Solar- und Windstromanlagen im Mittleren Osten
und in Nord-Afrika (MENA) gebaut werden sollten, befürworten
auch Vertreter der Energieautonomie mit dem Verweis auf den bereits
vorhandenen und ständig wachsenden Eigenbedarf dieser Länder
(auch wenn dies nicht unbedingt dem dezentralen Stromerzeugungsprinzip
entspricht). TREC ist derselben Meinung: Im Szenario der Studien
des Deutschen Zentrums für Luft und Raumfahrt (DLR), auf die
TREC sich bezieht, werden solarthermische Kraftwerke bis 2020 vorrangig
für den Eigenbedarf (Strom und Wasser) gebaut. Ab 2020 sind
solarthermische Kraftwerke für den Stromexport wettbewerbsfähig
und die Länder können über den Eigenbedarf hinaus
ein Exportpotential aufbauen.
Die Studien des DLR zeigen, dass die Stromerzeugungskosten dank
der Einspeisung von erneuerbaren Energien aus MENA im Gegensatz
zum "Strommix 2000" nicht weiter steigen, sondern ab
2020 wieder fallen können. Ob dies an die Endkunden weitergegeben
wird, hängt von der Wettbewerbsfähigkeit der dezentralen
Technologien, von der zukünftigen Marktsituation und vom Gesetzgeber
ab. Dass dezentrale Stromerzeugung die EVU gänzlich verdrängen
wird, wagt TREC jedoch zu bezweifeln, da die Gewinnspannen und
somit auch die Preisspielräume der EVU bei Privatkunden relativ
groß sind. Leistungsfähige Stromnetze werden schon aus
Gründen der Versorgungssicherheit und -stabilität auch
zukünftig unverzichtbar sein. Der Klimawandel ist ein sehr
dringendes Problem. Ein Einbinden der EVU in den Klimaschutz anstatt
eines langwierigen Kampfes um Vormachtstellungen, führt aus
unserer Sicht zu einem weitaus besseren Ergebnis.
Sinnvolle Ergänzung, nicht Alternative zu heimischen erneuerbaren
Energiequellen
Solarstrom-Importe konkurrieren direkt mit (fossilen und nuklearen)
Erzeugerpreisen, während heimischer PV-Strom mit Privatkundenendpreisen
im Wettbewerb steht. Der europäische Photovoltaikmarkt ist
durch Solarstrom-Importe auch deswegen nicht gefährdet, weil
MENA-Strom voraussichtlich nicht vor 2020 importiert werden wird
und der Photovoltaikmarkt nach den neusten Verlautbarungen aus
der europäischen PV-Industrie bis dahin nicht mehr auf finanzielle
Unterstützung angewiesen sein dürfte. TREC und die Studien
des DLR sehen Solarstrom-Importe von Nord-Afrika nach Europa als
sinnvolle Ergänzung, keinesfalls jedoch als Alternative zu
heimischen erneuerbaren Energiequellen. Wenn große EVU, wie
die EnBW, hier ihren Beitrag zum Klimaschutz leisten können
und wollen, dann ist das aus unserer Sicht eigentlich nur zu begrüßen.
Allerdings ist das DESERTEC-Konzept nicht auf das Wohlwollen deutscher
EVU angewiesen, da es in MENA inzwischen genügend potentielle
Investoren gibt, die beginnen, das große Potential der erneuerbaren
Energien in ihrer Region zu begreifen (was sich z.B. in der Al
Masdar Initiative Abu Dhabi's zeigt). Was die Realisierung des
Konzeptes jedoch wirklich voranbringen würde, wären Hilfestellungen
der EU zur Einführung und Absicherung von Einspeisegesetzen
in den Ländern MENA’s. Um dies zu erreichen, arbeitet
TREC gerade an einem Weißbuch, das von Seiner Königlichen
Hoheit Prinz El Hassan bin Talal von Jordanien, Präsident
des Club of Rome, vor dem EU-Parlament präsentiert werden
soll.
Abschließend zum Vorurteil, dass solarthermische Kraftwerke
nicht gebaut werden: Während in den USA bereits über
350 Megawatt stehen und zahlreiche weitere Anlagen in Planung sind,
sollen in Spanien bis 2010 solarthermische Kraftwerke mit einer
Leistung von zusammen 500 Megawatt ans Netz gehen – und das
ist nur der Anfang. In Nord-Afrika hat z.B. Algerien ein größeres
Programm aufgelegt und in Marokko und Ägypten laufen ebenfalls
schon Ausschreibungen. Wer sich für erneuerbare Energien interessiert,
ist also gut beraten, sich auch einmal mit dieser Technologie auseinanderzusetzen.
Gerne lade ich Sie, lieber Leser, ein, sich auf den Internetauftritten
von TREC ( www.TREC-EUMENA.net )
und des DLR ( www.dlr.de/tt/trans-csp )
ausführlich über das Thema zu informieren und sich
Ihre eigene Meinung zu bilden. Sigmar Gabriel zumindest bezeichnete
das DESERTEC kürzlich als „bahnbrechend“ ( www.solarserver.de/news/news-6844.html )
und Bündnis90/Die Grünen sind seit ihrem letzten Bundesparteitag
offizielle Unterstützer von TREC www.TRECers.net/downloads/159557.pdf Seite
5 )
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